Zuckerbrot und Peitsche? – Oder: Wie du Lob und Kritik positiv umsetzen und weitergeben kannst

 

opposites 489521 1920 kleinWenn wir gelobt werden, blühen wir auf, wenn wir kritisiert werden, fühlen wir uns wie Versager. Ist das wirklich immer so? Neulich hielt ich in der Arbeit einen Schulungsvortrag. Im Anschluss bekam ich ein Feedback, in dem Elemente gelobt wurden, die den Teilnehmern gut gefallen hatten, aber auch Kritikpunkte, die ich verbessern könnte. Eigentlich gehöre ich eher zu den Menschen, die Lob gerne mal „überhören“ und sich Kritik dafür etwas zu sehr zu Herzen nehmen. In diesem Fall merkte ich jedoch, dass ich das Lob annehmen konnte und die Kritik als Anregung verstand, das, was gelobt wurde, noch zu verbessern. Am Ende stellte ich erstaunt fest: Ich bin total motiviert!

Unser Beruf nimmt allein schon aus Zeitgründen einen hohen Stellenwert in unserem Leben ein. Gefällt er uns nicht, haben wir zwar in unserer Freizeit die Möglichkeit, einen positiven Ausgleich zu schaffen. Doch auf Dauer kostet es viel Energie, sich täglich aus dem angenehmen Privatleben in einen ungeliebten Job zu quälen. Ein motivierter Zustand, wie ich ihn nach meinem Feedback erlebt habe, kann deshalb dazu beitragen, dass man seine Arbeit nicht nur erträgt oder die Zeit dort „absitzt“, sondern darin aufgeht, so dass man sowohl im Privaten wie auch im Beruf inspiriert wird und sich nach seinen Wünschen ausleben kann. Deshalb stellte sich mir die Frage: Wie haben die das mit diesem Feedback erreicht?

In diesem Blogpost möchte ich ergründen, was Lob und Kritik in uns bewirken können und auf welche Weise du sie auch selbst anbringen kannst, um andere anzuspornen und weiterzubringen. Das richtige Gleichgewicht von Lob und Kritik kann verschiedenste Bereiche deines Lebens positiv beeinflussen und dir deinen Alltag merklich erleichtern.

 

Lob macht nicht automatisch selbstbewusst

„Nicht gemeckert ist genug gelobt.“ Wer hat diesen Satz nicht schon irgendwo gehört oder ihn sogar selbst jemandem als „Lebensphilosophie“ unterstellt? Gerade im Angestellten-Dasein kommt es häufig vor, dass man vergeblich auf ein paar Worte der Wertschätzung für die geleistete Arbeit hofft. Vielleicht ist dir das auch schon passiert, dass du dich unheimlich reingehängt hast, um eine Arbeit fristgerecht und allen Anforderungen entsprechend fertig zu bekommen. Und hast dann nie erfahren, wie das Ergebnis aufgenommen wurde. Dabei möchtest du einfach einmal hören: Das hast du toll gemacht!

In der modernen Erziehung haben es sich daher viele junge Eltern zum Ziel gesetzt, ihre Kinder durch häufiges Loben ihrer Leistungen anzuspornen, zu motivieren und ihnen das Gefühl zu geben, so wie sie sind, geliebt zu werden. Das ist ein lauteres Ziel und diese Kinder wachsen sicher unter weitaus angenehmeren Bedingungen auf als Kinder, die mit dem Rohrstock erzogen wurden. Doch stärkt es wirklich das Selbstbewusstsein, wenn man immer für alles gelobt wird?

away 1019854 1920 kleinStelle es dir selbst einmal vor: Du hast, wie oben erwähnt, gerade eine umfangreiche Arbeit abgeschlossen, die dich viel Zeit und Mühe gekostet hat. Deine Vorgesetzten sind begeistert und sagen, du hättest das richtig gut gemacht. Einige Zeit später betrauen sie dich mit einer ähnlich umfangreichen Aufgabe. Was denkst du, wie du die neue Herausforderung angehen wirst? Selbstbewusst und motiviert? Du wirst sicher angespornt sein vom Lob des letzten Mals. Doch dann spürst du vielleicht auch den Druck. Du möchtest deinen Standard halten, möchtest wieder gelobt werden. Und fragst dich plötzlich: Wie habe ich das letztes Mal gemacht? Was genau war denn so gut daran? Hat ihnen wirklich ausnahmslos alles gefallen? Muss ich es dann wieder haargenauso machen? Und was, wenn ich das nicht hinbekomme?

Du wünschst dir auf einmal, dass man dich „präziser“ gelobt hätte. Oder… vielleicht hätte dir auch ein kritisches Feedback weitergeholfen?

Wie Kritik auch anspornen kann

question 3385451 1920 kleinWas wäre gewesen, wann man dir statt eines „Das hast du super gemacht!“ gesagt hätte: „Also, das war ja mal nichts! Wir mussten es deinem Kollegen geben, damit er es komplett überarbeitet.“ Du wärst vermutlich am Boden zerstört gewesen angesichts dieser umfassenden Abwertung deiner Arbeit. Würde man dich in Zukunft wieder mit einer solchen Aufgabe betrauen, wüsstest du wahrscheinlich überhaupt nicht mehr, wie du die Sache angehen solltest.

Wenn wir uns an den vorherigen Absatz erinnern, war aber auch nach einem allumfassenden Lob nicht wirklich klar, welche Elemente deiner Arbeit du genauso beibehalten und welche du noch optimieren kannst. Wie wäre es stattdessen vielleicht mit folgender Rückmeldung: „Diesen einen Punkt hättest du noch etwas genauer ausarbeiten können, vor allem unter diesem und jenem Aspekt betrachtet.“ Wie hättest du dich nach dem Erhalt dieses Feedbacks gefühlt? Wärest du danach am Boden zerstört gewesen? Oder eher motiviert, es nochmal zu versuchen?

Gerade wer selbstständig tätig ist, kann vielleicht schon ein Lied davon singen, wie wichtig auch Kritik dafür sein kann, seine Arbeit zu verbessern. Hier gibt es keine Vorgesetzten, die dich anleiten. Hier gibt es nur Kunden, Klienten, Patienten etc. Und die kommen entweder zu dir oder eben nicht. Es gibt sehr nette Kunden, die ihre Unzufriedenheit gar nicht zeigen möchten und dich einfach nur für deine Leistung loben. Das ist erst einmal ein schönes Gefühl. Wenn sie dann aber nicht mehr zu dir kommen, hast du keine Ahnung, woran es lag und was du in Zukunft besser machen könntest. Um wirklich gut in dem zu sein, was du tust, ist es daher wichtig, andere zu einem ehrlichen Feedback zu ermutigen, denn nur so kannst du weiter an dir arbeiten. Das heißt nicht, dass du es deshalb bisher nicht schon gut gemacht hast. Es ist einfach ein Ansporn, hier und da noch kleine Veränderungen vorzunehmen.

Die Mischung macht´s: Lob und Kritik effizient einsetzen

Häufig hat es natürlich erst einmal einen kleinen Beigeschmack, wenn du anstelle eines lupenreinen Lobs etwas zu hören bekommst wie „War gut, aber…“. Da wir die meisten Tätigkeiten in unserem Leben – und gerade auch im Beruf – aber mehr als nur einmal verrichten, ist ein präzises Lob gekoppelt mit konstruktiver Kritik das Beste, was dir für zukünftige Wiederholung dieser Tätigkeit passieren kann.

Stell dir vor, du versuchst zum ersten Mal, eine Aufgabe zu lösen und irgendwie schaffst du es dann sogar. Könntest du ein Feedback wie „Perfekt! Daran gibt es nichts mehr zu verbessern,“ uneingeschränkt annehmen? Die wenigsten von uns sind mit dem Selbstbewusstsein ausgestattet, sich gleich nach dem ersten Versuch für einen Experten zu halten. Und wenn wir ehrlich sind, ist es in den meisten Fällen auch unwahrscheinlich, etwas bei einem ersten Versucht schon perfekt zu lösen. Selbst Experten können häufig noch irgendeine Kleinigkeit besser machen.

Ein solches Lob würde daher vermutlich eher dazu führen, dass du entweder den Respekt vor deinem Gegenüber, das dich gelobt hat, verlierst, denn es hat ja nicht erkannt, dass du noch ein Anfänger bist. Oder du würdest dich wie ein Schwindler fühlen, der zufällig das Glück hatte, die richtige Lösung zu finden und nun dauerhaft den Schein des Experten aufrechterhalten muss. Weder das eine noch das andere würde dazu führen, dass du dich wohl fühlst und diese Aufgabe in Zukunft gerne erledigst, oder?

Was wäre aber, wenn dir dein Gegenüber sagen würde: „Für einen Anfänger schon sehr gut. Das nächste Mal kannst du diesen und jenen Punkt noch verbessern, indem du auf dieses und jenes achtest.“ Wie würdest du dich fühlen? Auf der einen Seite hast du einen Zwischenerfolg vermittelt bekommen, denn du hast es fürs erste Mal ja sehr gut gemacht. Das nimmt dir die Angst, in dieser Aufgabe als kompletter Versager dazustehen. Vielleicht hast du auch den Eindruck, dass du das Prinzip schon verstanden hast, so dass die Aufgabe dir insgesamt schon einfacher erscheint.

chef 29205 1280 kleinAuf der anderen Seite hast du auch einen konkreten Hinweis, was du noch verbessern kannst und wie. Das ist im Grunde wie in einem Computerspiel: Du hast das neue Level zwar nicht beim ersten Mal durchgeschafft, aber du weißt, woran es lag und wie du es beim nächsten Mal schaffen kannst. Mit so einem „Aha“-Erlebnis hast du vielleicht auch gleich Lust, es wieder zu versuchen.

Aus diesem Grund möchte ich dich ermutigen: Sei ehrlich, aber nicht zu hart zu dir selbst. Für die meisten Dinge gibt es 1. mehrere Lösungen, 2. ist wahrscheinlich keine davon perfekt, dafür aber praktisch. Wenn dich also jemand darauf hinweist, dass du etwas nicht perfekt gemacht hast, bedeutet es nicht, dass du es umgekehrt völlig vermasselt hast. In 99,9% aller Fälle wirst du auch bei der hundertsten Ausführung einer Tätigkeit noch irgendetwas finden, das du verbessern kannst. Umgekehrt wirst du aber genauso häufig schon beim 1. Versuch etwas finden, das dir bereits gelungen ist. Und darauf kannst du aufbauen. Mach dir deine Stärken bewusst und nutze sie. So wirst du mit jedem Versuch immer näher an dein Wunschergebnis heranrücken.

Wenn du bereits in einem Gebiet ein Experte bist und jemandem etwas beibringen kannst, mache es genauso: Setze als Maßstab für deine Mitmenschen nicht die theoretisch perfekte Lösung an, sondern ermutige sie, ihre Stärken effektiver zu nutzen und bestimmte Punkte zu verbessern. Sei dabei so konkret wie möglich, so dass sie wissen, woran genau sie arbeiten können. Vielleicht gelingt es ja dann sogar einem oder einer von ihnen, dich mit einer völlig neuen Herangehensweise zu überraschen, mit der du selbst trotz deines Expertentums nicht gerechnet hättest. Menschen, die motiviert sind, nutzen ihre Stärken viel freier und können immer wieder Erstaunliches vollbringen!

 

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