Reist du schon oder vergleichst du noch? – Warum der „perfekte Urlaub“ gar nicht so perfekt sein muss

 

woman 570883 1920 kleinKennst du das? Dein Urlaub rückt näher und damit auch die Vorfreude auf eine tolle Zeit abseits deines Alltags. Um diese Freude noch zu steigern und dich schon mal in deine Ferien zu träumen, setzt du dich an deinen PC und fängst an, Reiseziele und Angebote zu checken. Nach und nach tauchst du ein in eine Flut von Bildern, eines traumhafter als das andere, ein Hotel verspricht mehr als das andere und zu einem noch besseren Preis. Erst kannst du dein Glück kaum fassen. Doch dann überkommen dich Zweifel… Was, wenn du dich für das falsche Angebot entscheidest? Vielleicht übersiehst du irgendwo das Kleingedruckte? Oder das Hotel sieht in Wirklichkeit ganz anders aus?

Du wirst pingeliger, durchstöberst die Bewertungen – dem einen war der Pool zu mickrig, die andere fand die Matratzen zu durchgelegen oder das Essen zu mittelmäßig – und plötzlich scheint es überhaupt kein annehmbares Angebot oder Reiseziel mehr zu geben. Den einen Ort, an dem wirklich alles passt, kannst du einfach nicht finden… Pünktlich zur Urlaubszeit möchte ich mich dem Phänomen widmen, wie du dich auf der Suche nach der absolut perfekten Lösung daran hinderst, dein Leben einfach mal zu genießen. Und ich möchte nach Möglichkeiten suchen, wie du doch noch glücklich mit deinen Entscheidungen werden kannst.

 

Kleines Problem, große Wirkung

Die oben beschriebene Situation ist beispielhaft für eine Eigenart, unter der viele von uns in unterschiedlichen Ausprägungen leiden: Der Glaube, die perfekte Lösung finden zu müssen! Gehörst du auch dazu? Stelle dir ein aktuelles Problem vor, das dich gerade beschäftigt, egal, welches. Du hast sicher schon darüber nachgedacht, wie du es am besten lösen kannst. Nun frage dich selbst: Wie viele deiner Ideen hast du einfach mal ausprobiert? Und wie viele hast du verworfen, weil sie doch zu unsicher erschienen?

Die meisten von uns neigen dazu, erst einmal viele Impulse ungenutzt zu lassen, einfach deshalb, weil sie keine 100-prozentige Erfolgsgarantie versprechen. Manchmal beginnt es mit einem kleinen Problem, etwa: „Ich muss endlich mal meinen Kumpel in Dortmund besuchen. Seit 2 Jahren reden wir darüber, jetzt wird es wirklich Zeit.“ Doch statt ihn anzurufen und zu fragen, ob er am Wochenende Zeit hat, fängst du an zu überlegen: Was könnte der perfekte Zeitpunkt sein, um nach Dortmund zu fahren? 

woman 687560 1920 kleinDieses Wochenende wolltest du doch endlich mal dein Auto waschen, Frühjahrsputz oder Steuererklärung machen. Danach bist du woanders eingeladen. Nächsten Monat wird es finanziell eng, da steht der Urlaub an. Bahntickets sind doch so teuer und die Benzinpreise sind unterirdisch. Und überhaupt, warum schaffst du es eigentlich nie, genug Geld beiseite zu haben? Du musst endlich nach einer Gehaltserhöhung fragen. Aber eigentlich wolltest du dich eh schon lange mal nach einem anderen Job umsehen…

Aus einer kleinen Frage „Wann fahre ich nach Dortmund?“ werden tausend weitere Probleme. Spontan losfahren klappt nun nicht mehr. Wenn, dann brauchst du schon eine Lösung für alles. Und genauso ist es mit dem Urlaub: Einfach an einem schönen Ort entspannen reicht nicht. Es muss das schönste Hotel sein, das günstigste Angebot, das beste Essen und die beeindruckendste Landschaft. Doch egal, wie lange du suchst, du findest diesen einmaligen, perfekten Urlaubsort einfach nicht. Am Ende buchst du Last Minute und hast das Gefühl, dass deine Freunde oder Kollegen wieder das tollere Angebot gefunden haben.

Du suchst nicht den perfekten Moment, du suchst das perfekte Gefühl

Was ist im oberen Absatz passiert? Statt einfach zu handeln, hast du dich in der Illusion verstrickt, dass Perfektion tatsächlich erreichbar ist. Und dich auf der vergeblichen Suche nach der absoluten Lösung selbst ausgehebelt, bis dir kaum noch Handlungsmöglichkeiten geblieben sind. Logisch betrachtet, kann es aber die eine, perfekte Lösung oder Entscheidung gar nicht geben: Die Bewertungen im Internet helfen nicht wirklich weiter. Die einen mögen die Berge, die anderen das Meer. Manche lieben das Abenteuer, manche den All-Inclusive-Urlaub oder eine informative Studienreise. Und dir ist vielleicht im einen Moment nach Großstadt, am nächsten Tag aber doch wieder nach einsamen Sandstrand. Egal, wofür du dich entscheidest, morgen könnte dir doch etwas anderes besser gefallen.

Auch, wenn uns die Fotos von Freunden von tollem Essen und beneidenswerten Landschaften das Gefühl geben, dass wir es uns auch mindestens so schön machen müssen wie die anderen, werden wir mit Preis-Leistungs-Vergleichen oder Bewertungssternchen nicht finden, was wir suchen. Wir suchen nämlich nicht den perfekten Ort oder den perfekten Zeitpunkt, um etwas zu tun. Die Fotos, die wir in den Social Media oder in der Werbung sehen, lösen in uns eine bestimmte Sehnsucht aus. Die Art der Bilder kann dabei völlig unterschiedlich sein. Das, Gefühl, das sie ansprechen, ist in uns allen aber recht ähnlich:

Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit. Nach Glück. Denn nur, wenn du mit dir selbst und der Welt um dich herum zufrieden bist, kannst du auch das Hier und Jetzt, den Moment, den du gerade erlebst, wirklich genießen. Ohne dir schon wieder Sorgen um die nächsten anstehenden Aufgaben und Probleme zu machen.

Perfektion oder Spontanität?

Dass der perfekte Urlaubsort und das schönste Hotel allein nicht ausreichen, um dir ein solches Gefühl zu vermitteln, liegt auf der Hand. Für dieses Gefühl bist du nämlich selbst verantwortlich. Du kannst zulassen, dass es sich in einem Moment einstellt, genauso kannst du es aber auch verhindern, indem du immer weiter grübelst, was noch alles nicht passen könnte.

Deshalb lehne dich jetzt einfach mal zurück und versuche, dich daran zu erinnern, wann du das letzte Mal einen Moment erlebt hast, in dem du glücklich und zufrieden warst. In dem dir keinerlei Gedanken gekommen sind, was du dir noch alles vorgenommen hast oder welche Aufgaben noch unerledigt sind. Weil der Moment nämlich so gut war, dass du alles andere völlig vergessen hast. War das in einem 5-Sterne-Hotel? Wenn ja, lag es an dem Hotel allein, dass der Moment so gut war? Oder war jemand dabei, in dessen/deren Gegenwart du dich rundum wohl gefühlt hast? Oder war es vielleicht ein lustiger Grillabend bei Freunden? Überlege, wieviel die äußeren Faktoren zu deiner guten Stimmung beigetragen haben und wieviel aus dir selbst herauskam? Hast du vielleicht einfach mal losgelassen?

Jetzt erinnere dich an ein Problem, das du zu deiner vollen Zufriedenheit lösen konntest. Vielleicht war es innerhalb einer sehr stressigen Zeit und du hast einfach gehandelt, weil keine Zeit dafür blieb, groß über die Folgen deiner Entscheidungen nachzudenken? Oder hat sich unverhofft etwas ergeben, womit du nie gerechnet hast? Bei wie vielen gelungenen Lösungen handelt es sich um Ideen, die du von langer Hand geplant hast? Und bei wie vielen davon hat ein glücklicher Zufall oder ein unerwartetes Ereignis mit hineingespielt?

Dein Leben als prall gefüllter Kühlschrank

frog 1646605 1920 kleinDas Leben lässt sich nur bedingt planen. „Life is what happens to you while you´re busy making other plans,“ sang John Lennon. Egal, wie akribisch du deine Entscheidungen überdenkst oder wie viele Stunden du in deine Urlaubsplanung investierst, deine Anstrengungen können dir nie zu 100% garantieren, dass es ein voller Erfolg wird. Umgekehrt kann aus einem furchtbaren Tag aber auch der beste Moment seit Jahren werden. Deshalb möchte ich dich motivieren, dein Leben einfach als einen prall gefüllten Kühlschrank voller Möglichkeiten zu betrachten.

Wenn du vor dem Kühlschrank stehst und überlegst, worauf du gerade Appetit hast, greifst du da jedes Mal nach dem gleichen Lebensmittel? Oder hast du manchmal vielleicht Lust auf Obst, auf Joghurt, Geschnetzeltes, Bratkartoffeln… Bereits beim Einkaufen hast du darauf geachtet, worauf du Lust hast und natürlich auf deine Erfahrung, und das gekauft, was dich satt und zufrieden macht. Morgens machst du dir vielleicht eine Schale Joghurt mit Obst, abends mal was Deftiges. Du wählst aber im Idealfall genau das aus, worauf du in diesem Moment gerade Lust hast. Und das kann am nächsten Morgen oder Abend auch wieder etwas ganz anderes sein. Aber während du dein leckeres Gericht verzehrst, grübelst du nicht darüber nach, welches Essen jetzt vielleicht noch besser sein könnte. Du isst, weil es dir schmeckt.

Genauso kannst du den Rest deines Lebens betrachten: Du wirst selten nur eine einzige Entscheidungs- oder Lösungsmöglichkeit haben. Natürlich kann gesundes Abwägen nicht schaden. Aber so wie du vor deinem Kühlschrank meistens schon weißt, ob dir eher nach Süßem oder Deftigem ist, so hast du meistens bereits vor jeglichem Abwägen eine bestimmte Tendenz oder ein bestimmtes Bauchgefühl. Und so, wie du ohne Reue einfach mal genau das aus dem Kühlschrank greifst, wonach dir gerade ist und es dann richtig genießt, so kannst du auch einmal ausprobieren, nach deinem Bauchgefühl zu entscheiden.

Es gibt für jede einzelne Entscheidung ein Für und Wider. Das wichtigste Argument für etwas, beispielsweise ein bestimmtes Hotel oder Urlaubsziel, ist daher, dass du dich damit wohlfühlst – egal, wie viele Hobby-Querulanten vorher schon schlechte Bewertungen dafür abgegeben haben. Natürlich ist es wichtig, sich vorher schon mal organisatorische Gedanken wie das Reisebudget zu machen. Aber auch hier wirst du, wenn du in dich hineinhörst, etwas finden, was dir einfach „sympathischer“ ist als andere Möglichkeiten. Letzten Endes hängt es bei jeder Reise von vielen Faktoren ab, ob dir der Urlaub gefällt oder nicht. Und das sind selten das Hotel oder das Wetter, sondern wie du drauf bist, mit wem du die Erlebnisse teilen kannst und wieviel von dem, was dir auf deiner Reise passiert, du bewusst wahrnimmst und genießen kannst. In diesem Sinne: Schönen Urlaub 😊

 

Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung Weitere Infos

Verstanden