Wie du auch MIT deinen negativen Gefühlen glücklich sein kannst

 

comic3Was sind für dich negative Gefühle? Die meisten verbinden damit Emotionen, die unangenehm oder schmerzhaft sind. Oder auch solche, die unerwünschte körperliche Reaktionen hervorrufen, wie Trauer, Wut oder Angst. Viele tendieren auch dazu, seelisches Wohlbefinden mit der Abwesenheit dieser Gefühle gleichzusetzen und entwickeln die unterschiedlichsten Strategien, um sich ihnen nicht stellen zu müssen. Dabei übersehen sie jedoch, dass jedes Gefühl auch eine sinnvolle, ganz natürliche Funktion für uns hat.

Wie schon in meinem letzten Blogpost zum Thema Positiv Denken erwähnt, kann es Gefahren bergen, zugunsten einer scheinbar glücklicheren Einstellung unangenehme Emotionen einfach wegzudrängen, statt ihnen auf den Grund zu gehen. Sowohl persönlich als auch in meiner Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich seelisches Wohlbefinden vor allem darauf gründet, dass alle Emotionen ihren Raum bekommen. Aus diesem Grund möchte ich euch, ergänzend zum März-Blogpost, zeigen, warum es für uns doch gut sein kann, „negative“ Gefühle zu haben.

Durch Trauer zum Neuanfang

Obwohl als Gefühl an sich allgemein akzeptiert und wohlgelitten – Menschen, die traurig wirken, wecken stets unser Mitgefühl – ist Trauer doch ein Zustand, den viele tunlichst vermeiden möchten. Wenn wir um etwas oder jemanden trauern, fühlen wir uns hilflos, elend und allein, unsere Muskeln krampfen sich zusammen, manchmal können wir nicht aufhören zu weinen und in einigen Fällen werden wir sogar von heftigen Schluchzern erschüttert. Wir empfinden tiefen seelischen Schmerz und haben das Gefühl, nicht mehr weitermachen zu können wie bisher.

Ein sehr unangenehmer Zustand, der tatsächlich auch hinderlich sein kann, wenn es darum geht, einfach weiterzumachen, wie z.B. in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die meisten Menschen schwere Verluste erlitten hatten. Sie mussten sich gleichzeitig darum kümmern, nicht zu verhungern oder im Winter zu erfrieren, Häuser wieder aufzubauen und zu versuchen, wieder in ein halbwegs normales Leben zurückzufinden. Für Trauer blieb keine Zeit.

Wir nachfolgenden Generationen haben dieses Erbe angetreten. Ganz nach dem Motto: „Lass dich bloß nicht unterkriegen!“ Früher haben Eheleute nach dem Tod des Partners ein Jahr lang Trauer getragen. Sie waren damit von bestimmten gesellschaftlichen Verpflichtungen entbunden und erhielten Zeit, ihr Leben an die neue Situation anzupassen. Heute sollte man am besten nach maximal ein paar Wochen wieder auf der Matte stehen, seinen Job machen und seinen Platz im sozialen Umfeld einnehmen als wäre nichts geschehen. Das spielt natürlich dem Wunsch vieler Menschen in die Hände, die dieses schmerzhafte Gefühl lieber wegdrängen möchten.

Trauer ist jedoch ein notwendiger Heilungsprozess. Nicht nur körperliche Wunden benötigen Zeit um zu verheilen. Hier ist es nur einfacher nachzuvollziehen, weil der Prozess sichtbar ist. Wird beispielsweise jemand angefahren, käme niemand auf die Idee, von dieser Person zu erwarten, die Verletzungen zu ignorieren. Die Wunden werden behandelt und der Verletzte bleibt solange in Schonhaltung, bis die Wunden abgeklungen sind. Und selbst dann können Narben zurückbleiben. In schlimmen Fällen, wenn z.B. jemandem ein Arm amputiert wird, ist es mittlerweile bekannt, dass diese Person noch eine Weile unter „Phantomschmerzen“ am fehlenden Arm spüren kann, da sich das Gehirn noch nicht daran gewöhnt hat, dass ein Körperteil fehlt.

Trauern ist die seelische Wundheilung. Wenn du einen Verlust erlitten hast, ist es absolut verständlich und notwendig, dass du dich zurückziehst, in eine seelische Schonhaltung begibst und nur Schritt für Schritt in die neue Lebenssituation begibst. Ignorierst du deine emotionale Wunde, findet keine Heilung statt. So wie sich körperliche Verletzungen entzünden können, wenn sie nicht behandelt werden, kann auch verdrängte Trauer in uns schwelen. Entzündungen können den gesamten Körper schwächen und auch verdrängte Gefühle bahnen sich ihren Weg. Wird die Trauer verdrängt, sucht sie sich vielleicht einen anderen Kanal über Wut, Angst oder körperliche Symptome.

Deshalb: Lebe deine Trauer. Mach dir den Verlust, den du erlitten hast, bewusst. Du darfst weinen. Es darf dir schlecht gehen. Suche dir Menschen, von denen du weißt, dass sie deine Trauer aushalten können und erzähle ihnen, wie es dir geht. Mach dir aber auch klar, welche anderen Dinge dein Leben lebenswert machen. Welche kleinen Situationen bereichern deinen Alltag? Mit wem fühlst du dich besonders wohl? Welche Tätigkeit erfüllt dich? Nach und nach strukturierst du so dein Leben um und wirst feststellen, dass du auch wieder Freude daran haben kannst. Eine Narbe darf ruhig nach dem Verlust bleiben. Das Verlorene lässt sich ja nicht beliebig austauschen. Doch du kannst trotzdem in einen neuen Alltag finden, in dem du dich wieder wohlfühlen kannst.

Wut – deine Power-Emotion

Wut ist ein Gefühl, das nicht nur Einzelpersonen für sich selbst vermeiden möchten, sie ist sogar gesellschaftlich in Verruf geraten: Frauen, die ihre Wut offen zeigen, werden als unweiblich oder hysterisch erachtet, Männer als brutal und unberechenbar. Wütende Menschen jagen uns manchmal sogar Angst ein, da wir nicht vorhersehen können, was sie tun. Und tatsächlich kann Wut auch in dir den Löwen wecken, der sich auf seinen Gegner stürzt. Schließlich diente sie ursprünglich dazu, uns kampfbereit zu machen, wenn uns jemand angreift, damit wir uns verteidigen können. Durch die Wut erhalten wir die Kraft, für uns selbst einzutreten.

Da die wenigsten von uns heutzutage darauf angewiesen sind, uns in handgreiflichen Auseinandersetzungen zu verteidigen, scheint es, als bräuchten wir diese Emotion gar nicht mehr. Niemand möchte gerne vor anderen wüten, denn es lässt uns unberechenbar erscheinen. Manche wissen vielleicht auch, welche Angst ihnen ein wütender Mensch macht und fürchten sich daher davor, selbst jemals in solch einen unkontrollierbaren Zustand zu geraten. Tatsächlich kann dieses Gefühl in uns so kraftvoll sein, dass es Impulse auslöst wie, alles kaputtschlagen zu wollen.

Wut ist aber, wie auch die Trauer, ein wichtiger Teil von uns, den wir auch in unserer „zivilisierten“ Gesellschaft sinnvoll nutzen können. Sie zeigt uns nämlich auf, wann wir uns ungerecht behandelt fühlen. Wenn beispielsweise ein Kind einem anderen sein Spielzeug wegnimmt. Oder sich dir jemand absichtlich oder unabsichtlich in den Weg stellt und du einfach nicht an ihm vorbeikommst. Oder der Kollege, der die Anerkennung erhält, die eigentlich du verdient hättest – oder du umgekehrt die Standpauke erhältst, die eigentlich einem anderen gelten sollte.

In solchen Momenten steigt der Blutdruck, der Herzschlag wird schneller und du hast den Drang nach irgendeiner am besten erschöpfender oder zerstörerischen körperlichen Aktivität. Natürlich kannst du nicht auf deinen Chef losgehen oder sein Büro demolieren. Doch du kannst trotzdem für dich einstehen: Wenn du das Gefühl hast, ungerecht behandelt zu werden, dann sprich es aus. Wenn dir jemand auf physischer oder psychischer Ebene zu nahekommt, nutze deine wütende Kraft, um deine eigenen Grenzen gegenüber den anderen abzustecken.

Manchmal klappt das natürlich nicht so einfach. Oder es ist ein Ereignis eingetreten, das dich wütend macht, für das es aber keinen „Schuldigen“ gibt. Damit sich die Energie und innere Anspannung, die durch Wut entsteht, nicht in dir ansammelt und sich vielleicht zum ungünstigsten Zeitpunkt entlädt oder dir vielleicht durch die lange Unterdrückung irgendwann sogar körperliche Beschwerden bereitet, suche dir etwas zum abreagieren. Hierbei kannst du kreativ sein und darauf hören, was dir besonders guttut. Zuhause mal richtig laut schreien. Dich bei Freunden oder Kollegen auskotzen oder vielleicht auch eine bestimmte Sportart. Lass den Dampf auf jeden Fall ab, sonst bleibt er in dir und weiß nicht, wo er hin soll.

Dein Beschützer Angst

Auch die Angst ist heute nicht das beliebteste Gefühl. Ob es ein schneller, aber intensiver Schreck ist oder ein permanentes Unbehagen: Die körperlichen Veränderungen, die sich dabei ereignen, wie angespannte Muskeln, schneller Herzschlag, hoher Puls, schneller Atem etc. lösen in uns alles andere als Wohlbefinden aus. In früheren Zeiten, in denen wir uns noch nicht durch Gesetze, Normen und Regelungen für viele Situationen abgesichert haben, diente die Angst uns jedoch als Warnsignal: Ein Knacken im Geäst konnte auf ein Tier oder einen Gegner hinweisen, der dich angreifen wollte. Je nach Art des Gegners konntest du dich entweder mithilfe deiner Wut verteidigen oder die Angst löste in dir einen Fluchtimpuls aus und dein Körper stellte sich perfekt darauf ein, jetzt einfach nur so schnell wie möglich wegzurennen.

Auch heute gibt es noch Situationen, in denen Angst uns das Leben retten kann. Große oder schnelle Autos oder LKWs flößen uns automatisch Respekt ein und wir werden sicher nicht einfach auf die Straße springen, wenn sich ein solches Gefährt nähert. In der modernen Gesellschaft sind wir jedoch permanent von lauten Geräuschen, einer Flut an medialen Reizen oder Dingen, die uns aus Spaß Angst einjagen sollen, umgeben. Auch Zeitdruck und Stress auf der Arbeit kann eine ähnliche Spannung auslösen wie Angst vor einem Gegner. Unser Verstand ist daher ständig dabei, dieses Gefühl zu „filtern“, zu rationalisieren. Der Knall in der U-Bahn-Station waren z.B. nur Kinder, die noch Silvesterkracher übrighatten. Im Restaurant ist jemandem ein Glas zerbrochen etc.

Unser Körper reagiert auf solche Dinge jedoch trotzdem oft auf seine natürliche Weise mit einem Flucht- oder „tot stellen“-Impuls. Und hier sagt uns unsere Logik meistens: Das ist nicht angebracht, hab dich nicht so. Angst wird in den meisten Situationen als unpassend empfunden und automatisch unterdrückt. Ein Großteil der Situationen, die uns stressen oder Angst einjagen sind ja auch tatsächlich kein Grund sich zu fürchten. Doch deine Angst verliert so nach und nach die Möglichkeit ihrer natürlichen Ausdrucksform. So wie die Wut, stellt auch die Angst uns die Energien bereit, um – zumindest früher einmal – adäquat auf eine Situation zu reagieren. Drängst du das Gefühl zurück, bleibt die innere Anspannung oft trotzdem bestehen.

Deshalb: Lass diese Anspannung raus. Natürlich ist es nicht zielführend, von nun an vor allen spielenden Kindern oder heranrasenden Autos die Flucht zu ergreifen. Doch anstatt dir zu sagen, hab keine Angst, frage dich besser: Warum fühle ich mich gerade so? Mach dir deine Angst bewusst und überlege dir, was du tun kannst, um dich besser zu fühlen. In einer Situation scheinbar grundlos Angst zu empfinden, ist kein Grund, sich zu schämen. Deine Angst möchte dir stets etwas mitteilen. Danke ihr also dafür, dass sie dir ein Warnsignal gibt und versuche, diese Warnung ernst zu nehmen, den Grund für die Warnung zu finden und nach Möglichkeit zu beheben.

Veranstaltungshinweis: Es gibt Menschen, die in hohem Maß unter Ängsten oder Panikattacken leiden, ohne dass sie dafür einen Auslöser festmachen können. Dies ist ein spezieller Fall, in dem sich zusätzlich zur gefühlten Angst auch noch die Angst davor einstellt, wann die nächste Panikattacke auftritt und welche Folgen das haben könnte.

Der Leidensdruck ist hier häufig sehr groß und Therapieplätze knapp. Aus diesem Grund veranstalte ich zu diesem Thema einen kostenfreien Infoabend in der Nürnberger Südstadt. Wer Interesse hat, nähere Infos findet ihr hier:

 

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