Warum „positiv Denken“ dein Leben noch nicht verändert hat!

Postivi denken„Jeder ist seines Glückes Schmied“ hat es früher geheißen. Dieses Sprichwort wurde ca. 300 Jahr v. Chr. verfasst und bedeutet: Jeder ist selbst dafür verantwortlich, dass er glücklich wird. Spätestens ab den 2000er Jahren, wurde es dann Trend, seine Wünsche zu visualisieren und alles, was man will, einfach beim Universum zu bestellen. Dadurch kehrte sich der Spruch allmählich ins Gegenteil: Bei dir läuft es nicht so? Du bist unglücklich? Dann hast du einfach nicht die richtige Einstellung!

Heutzutage scheint jeder seines Unglückes Schmied zu sein, der zu negativ denkt. Doch bist du wirklich gleich ein Versager, weil sich dein Leben trotz positiven Denkens noch nicht ins Bessere gewendet hat? Kann es so einfach sein? In diesem Blogpost möchte ich der Idee des positiven Denkens auf den Grund gehen. Wann nützt es wirklich? Wie komme ich da hin? Und vorab schon mal: Du bist natürlich nicht sofort ein Versager, weil das positive Denken dich noch nicht glücklich und erfolgreich gemacht hat. Wäre es so einfach, wären wir längst umgeben von Menschen, die nur das Beste von Steve Jobs und dem Dalai-Lama in sich vereinen.

Der Unglückliche denkt positiv

Zunächst einmal habe ich mir die Frage gestellt: Wer nimmt sich denn bewusst vor, positiver zu denken? Jemand, der gerade alles erreicht hat, was er je wollte und bereits total glücklich ist? Oder jemand, dem nichts von dem gelingt, was er sich vornimmt und der nun aufgrund vieler gescheiterter Versuche in der Außenwelt seine innere Einstellung ändern möchte? Ja, das war eine rhetorische Frage. Jemand, der glücklich ist, muss sich nicht vornehmen, positiv zu denken. Positiv Denken ist ein Konzept, von dem sich vor allem unglückliche Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände erhoffen. 

Es lässt sich natürlich nicht leugnen, dass etwas Wahres dran ist: Wer all seine Pläne mit Einstellung „Das wird ja doch wieder nichts“ oder „Das schaffe ich sowieso nicht“ angeht, trägt bewusst oder unbewusst auch dazu bei, dass es nicht gelingt. Entweder durch seine pessimistische Ausstrahlung, seinen Mangel an Motivation oder durch mangelndes Engagement, weil er die Sache im Grunde von vornherein verloren glaubt. Der Ansatz, in Zukunft positiver an die Verwirklichung seiner Ziele heranzugehen, ist also durchaus nicht verkehrt. Doch er birgt auch Gefahren.

Zwing dich nicht zum positiv sein

Natürlich macht es einen Unterschied, ob man beispielsweise die Absage für eine neue Stelle als Ablehnung der eigenen Person, als Zusammenbruch seines Lebens oder einfach als Chance sieht, eine noch tollere Stelle zu bekommen. Und genau hier setzt die Idee des positiven Denkens an: Du entscheidest, wie du mit den Dingen, die dir im Leben widerfahren, umgehst! Doch die Tatsache, dass du die Dinge auch positiv sehen kannst, bedeutet nicht, dass sich bei dir dadurch gleich ein Schalter umlegt und du all deine Zweifel von einem Moment auf den anderen loswirst. Grübeln und sich Sorgen machen sind nicht einfach Eigenschaften, die man schnell ablegen sollte. Sie sind ein Ausdruck von Sicherheitsbedürfnis. Menschen, die stets darüber nachdenken, was alles schief gehen könnte, versuchen, sich durch ihr Grübeln für möglichst jede Situation bereits vorher abzusichern.

Würde man die Erfahrungswerte aller Menschen zusammennehmen, käme vermutlich heraus, dass immer etwas schief gehen kann – egal, für wie viele mögliche Fehlschläge man sich vorher abgesichert hat. Es scheint also vernünftig zu sein, sich vom Ballast allzu vieler Sorgen zu befreien. Wenn dann alles glattgeht, kann man es so auch genießen. Und wenn etwas daneben geht, kann man vielleicht leichter damit umgehen, weil sich vorher nicht die Anspannung des Sorgen Machens in einem festgesetzt hat.

Doch Vorsicht: Wenn du dazu neigst, dir, bevor du etwas tust, viele Gedanken und Sorgen zu machen, dann ist das ein Teil deiner Persönlichkeit, der sich nach Sicherheit und Geborgenheit sehnt. Diesen Teil mit Parolen wie „Alles wird gut“ oder „Entspann dich“ abzuspeisen KANN funktionieren. Es kann aber auch dazu führen, dass sich deine unterdrückten Ängste und Sorgen einfach an einen Ort in deinem Inneren zurückziehen, an dem sie für dein Bewusstsein unzugänglich sind. Dein Handeln können sie aber auch von deinem Unterbewusstsein aus beeinflussen.

Flucht ins positive Denken ist kontraproduktiv

Sehen wir uns die Sache genauer an: Warum möchtest du lernen, positiv zu denken? Weil du mit deiner jetzigen Situation im Hier und Jetzt unzufrieden bist. Du wünschst dir schon lange eine Veränderung deiner unangenehmen Gegenwart, doch du hast dich selbst durch vieles Grübeln und deinen Mangel an Glauben an dich selbst daran gehindert, diese Veränderung herbei zu führen. Du fühlst dich einfach noch nicht sicher genug, um deine unglücklichen, aber zumindest gewohnten und vertrauten Lebensumstände zu verlassen.Also „bestellst“ du fleißig beim Universum Erfolg im Beruf, Glück in der Liebe, einen Parkplatz direkt vor der Tür etc. Und es passiert… nichts. Jemand nimmt dir den perfekten Parkplatz weg, dein Partner trennt sich von dir und in der Arbeit bekommt dein Kollege die von dir erhoffte Beförderung. Doch statt dich darüber zu ärgern, versuchst du positiv zu bleiben – denn wahrscheinlich warst du bisher einfach nicht positiv genug, sonst hättest du Job, Parkplatz und Liebesglück ja längst bekommen. Also stehst du jeden Morgen vor dem Spiegel und forderst du dich selbst auf, lächelnd in den Tag zu starten. Nur um abends festzustellen: Es passierte wieder nichts!

Warum? Weil du wünschst, aber nichts tust. Du hast deine „negativen“ Gefühle wie Angst, Wut und Enttäuschung zwar an einen weit entfernten Ort verbannt, hast dich aber nicht mit ihnen auseinandergesetzt. Im Alltag hast du deine Beförderung noch nicht selbstbewusst eingefordert oder deine Stärken so eingesetzt, dass dein Chef dich für die richtige Person für den Posten hält. Oder du glaubst immer noch, dass du für deinen Partner nicht gut genug bist und merkst nicht, wie deine Selbstzweifel diesen geliebten Menschen von dir wegdrängen.

Und das mit dem Parkplatz…? Ich kenne Leute, die tatsächlich ihr Leben lang innerhalb kürzester Zeit den perfekten Parkplatz finden. Doch vielleicht solltest du bei deinen ersten Versuchen des positiven Denkens dein Glück nicht gleich von etwas abhängig machen, das so sehr von äußeren Umständen abhängt. Wenn es dir annähernd wie im vorhergehenden Absatz geht, besitzt du vermutlich sowieso schon eine eher geringe Frustrationstoleranz. Denn dass du nichts tust, ist so nicht ganz richtig: Innerlich versetzt du dich durch den Zwang, positiv zu bleiben, in enorme Anspannung. Es kostet sehr viel Kraft, deine Angst, Wut, Enttäuschung etc. in Schach zu halten, damit sie dich nicht daran hindern, positiv zu sein. Umso mehr, wenn die Erlebnisse in der Außenwelt diese positive Einstellung nicht widerspiegeln.

Wie kann ich denn nun das positive Denken nutzen?

Zuallererst: Stell dich deiner Wirklichkeit. Von einem besseren Leben träumen ist schön und gut, doch es wird die Probleme, mit denen du im Hier und Jetzt konfrontiert bist, nicht lösen. Statt dir deine jetzige Situation also schön zu denken, MACH sie dir schön!

Überlege ganz konkret: Was ist in der Idealvorstellung deines Lebens anders als jetzt? Wie würde z.B. deine Wohnung in deinem Wunsch-Leben aussehen? Mit welchem Gefühl würdest du morgens aufstehen und zur Arbeit fahren? Mit welchem Gefühl würdest du nach der Arbeit nach Hause fahren, wenn du den idealen Job hättest? Was wäre in deinem Wunsch-Job konkret anders als in deinem jetzigen? Wie wäre deine Beziehung zu deinem Partner? Oder falls du Single bist: Wie würdest du die Zeit, die du für dich hast, gerne nutzen? Was wäre anders im Vergleich mit deinen jetzigen Freizeitbeschäftigungen?

Falls du dir nun denkst: Ist ja alles schön und gut, aber es gibt noch so viele Dinge, die zu weit entfernt von dieser Idealvorstellung sind: Sich trotz aller Bedenken einfach mal konkret klarzumachen, was man wirklich will, ist der erste Schritt. Gerade im Vergleich mit dem Hier und Jetzt kannst du nun in kleinen Schritten planen, was du tun kannst, damit es dir besser geht.

Dazu brauchst du gar nicht sofort vom Skeptiker zum Super-Optimisten zu werden. Überlege zunächst nur, was du konkret brauchst, damit du den ersten Schritt in Richtung einer Verbesserung gehen kannst. Fehlt dir ein Ort, an dem du einfach mal abschalten und du selbst sein kannst? Was könntest du in deiner Wohnung ändern, damit sie zu einem solchen Ort wird? Fehlt dir der Mut, nach einer Beförderung oder Gehaltserhöhung zu fragen? Mach dir klar, dass es einen Teil in dir gibt, der findet, dass du genau das verdienst! Dieser Teil in dir wird dir helfen, dein Ziel zu erreichen, beispielsweise, indem du dir einmal genau aufschreibst, was du bereits alles geleistet hast, um diesen Job oder mehr Geld zu verdienen.

In einem Satz: Hör auf, dir ein anderes Leben zu wünschen und ergreife in deinem Tempo kleine Maßnahmen, die dein Leben Schritt für Schritt in eines verwandeln können, das du schon immer wolltest. Mit jedem Schritt gewinnst du Sicherheit und Selbstbewusstsein – und wirst wahrscheinlich ganz von alleine auch positiver.

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