Warum Rituale nicht nur was für Esoteriker und Religionsgemeinschaften sind

SchamaneFür gute Vorsätze ist es nie zu spät.

In diesem ersten Blogeintrag überhaupt und dem ersten im neuen Jahr möchte ich euch unterschiedliche Rituale vorstellen, mit dem Ziel, euch eure eigenen kleinen und großen Rituale, die ihr im Alltag vollzieht, bewusster zu machen. Es handelt sich dabei nämlich nicht nur um uralte Traditionen wie Stammesrituale oder religiöse Zeremonien, sondern auch ganz einfach um bestimmte Formen, unser Leben zu meistern. Und gerade weil Rituale auch alltagstauglich sind, können wir sie uns zunutze machen – zum Beispiel dafür, endlich einmal unsere guten Vorsätze fürs neue Jahr in die Tat umzusetzen.

Rituale – eine gesellschaftliche Spinnerei?

Beim Wort „Ritual“ hat vermutlich jeder schon irgendein Bild im Kopf. Vielleicht denkt ihr dabei an einen Schamanen, der um ein Feuer tanzt und Kräuterbüschel verbrennt. Oder an einen Liebeszauber, der in einer Vollmondnacht auf einem Hügel durchgeführt wird. Vielleicht auch ein Kind, dessen Kopf in einer Kirche mit Wasser übergossen wird… Rituale stehen häufig symbolisch für einen Abschluss oder einen Neuanfang. An Fasching werden böse Geister ausgetrieben. Ein Jugendlicher bekennt sich bei seiner Konfirmation zu seinem Glauben und tritt somit ins Erwachsenenleben ein.

Genauso gibt es aber auch regelmäßige, kleine Rituale, die einem die alltägliche Disziplin erleichtern: Ein Betender verneigt sich oder kniet nieder, eine Frau wäscht und kleidet sich immer in derselben Reihenfolge an, schminkt und frisiert sich, weil sie sich so am wohlsten und schönsten fühlt. Für die, die daran glauben, haben solche Rituale große Macht, sie geben ihnen Halt und Kraft. Ohne bestimmte Rituale würden sie sich unsicher und hilflos fühlen.

Andere sehen Rituale als Mangel an Reflexion. Völlig unhinterfragt macht man bei einer Spinnerei mit, nur weil die Gesellschaft, in der man lebt, es verlangt. Rituale schränken die persönliche Freiheit ein, die Freiheit, das zu tun, was man möchte und wie man es möchte.

 

Wiederholung des immer Gleichen

Zugegeben, gemeinsam ist diesen Ritualen und Zeremonien vor allem, dass sie immer auf eine ganz bestimmte Weise durchgeführt werden müssen. Die Taufe eines Kindes folgt einem festgelegten Ablauf, an dem die vorher festgelegten Beteiligten ihnen zugewiesene Aufgaben übernehmen. Oft ist auch der Zeitpunkt vorbestimmt. Immer am 31. Dezember stellen sich Millionen von Menschen auf die Straße und schießen Feuerwerk in die Luft. Sie umarmen sich und wünschen sich Glück.

Ein festgelegter Ablauf, der festgesetzte Zeitpunkt und das Erfordernis bestimmter Beteiligter geben zwar Sicherheit – denn jeder weiß, was zu tun ist – können aber auch wie ein Zwang wirken, der einen persönlich einschränkt. Und so machen einige lieber bewusst einen Boden um Rituale. Oder sie glauben, dies zu tun.

 

Ritualen kann sich niemand entziehen

Groß angelegte Rituale wie eine weltweite Silvesterfeier besitzen eine enorme Kraft. Fragt euch selbst: Fangt ihr zum Ende eines Jahres nicht unwillkürlich an, Bilanz zu ziehen? Schwirren euch nicht besonders häufig eure geheimen Wünsche und Ziele für euer zukünftiges Leben im Kopf herum? Selbst, wenn ihr zu denen gehört, die mit „Silvestergedöns“ nichts zu tun haben wollen: Ist euch am 31. Dezember nicht allzu klar, dass ihr euch ganz bewusst gegen Raclette und Bleigießen entschieden habt? Und erhält eure Entscheidung nicht gerade deshalb eine besondere Bedeutung für euer Selbstbild, weil ihr genau an diesem Tag gegen den Strom schwimmt?

 

Rituale vermitteln Sicherheit und Wohlbefinden

Wir Menschen neigen dazu, bestimmten Tätigkeiten eine besondere Bedeutung und Kraft zuzuschreiben. Einigen davon wegen ihrer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz. Beteiligst du dich daran, gehörst du dazu und erfährst die Sicherheit und Geborgenheit einer Gemeinschaft. Entziehst du dich bewusst, fühlst du dich vielleicht als etwas Besonderes, als ein eigenständiges Individuum, das über den gesellschaftlichen Normen steht.

Andere Rituale wenden wir im Stillen, vielleicht nur für uns selbst an. Sie geben uns Sicherheit und Struktur im Alltag.  Ein bestimmter Ablauf beim morgendlichen Beautyprogramm. Oder der allwöchentliche Yogakurs. Andere Rituale geben uns einfach ein gutes Gefühl, wie z.B. ein Feierabendbier oder das sonntägliche Frühstück mit Orangensaft und gekochtem Ei.

Gemeinsam sind ihnen der immer gleiche Ablauf und ihre regelmäßige Wiederholung zu einem festgesetzten Zeitpunkt. Habt auch ihr solche Rituale? Wie verbringt ihr den Morgen, bevor ihr zur Arbeit geht? Was tut ihr, um an euren freien Tagen das größtmögliche Maß an Entspannung und Wohlbefinden zu erreichen?

Die Macht der Rituale nutzen

Regelmäßige Angewohnheiten könnt ihr nutzen, um eure Vorsätze für 2018 umzusetzen. Wenn ihr bis hierher gelesen habt, sind euch sicher schon einige Rituale eingefallen, die ihr selbst im Alltag ausübt. Doch stehen wir nicht allen unseren Angewohnheiten positiv gegenüber. Manche würden wir vielleicht sogar eher als „Laster“ statt als Ritual bezeichnen und würden damit lieber aufhören. Das Gute an Ritualen ist jedoch: Haben wir uns einmal daran gewöhnt, sie regelmäßig durchzuführen, fallen sie uns immer leichter. Wenn ihr also auf eine Angewohnheit verzichten möchtet, streicht sie nicht völlig aus deinem Alltag. Ersetzt sie besser durch eine andere.

Ihr wollt weniger Süßes essen, Schokolade ist aber die beste Belohnung nach einem anstrengenden Tag? Macht euch stattdessen einen leckeren Tee oder eine Schale Erdbeeren und stellt euch dabei vor, wie sehr sich euer Körper freut, dass ihr ihm etwas Gutes tut, statt ihm nur Zucker und Fett zuzuführen. Oder legt euer Lieblingslied auf, schließt die Augen und überlegt euch, welches Erlebnis das Schönste dieser Woche gewesen ist. Oder tanzt einfach drauf los.

Ihr wollt mehr Sport machen? Überlegt euch eine kleine Belohnung, die ihr euch nur gönnen dürft, wenn ihr Sport gemacht habt und zwar gleich nach dem Sport. Und seid dabei stolz auf euch. Wenn ihr abends mehr tun wollt als vor der Glotze zu sitzen, setzt euch ein festes und vor allem realistisches Ziel und überlegt euch, wie ihr euch nach Erreichen des Ziels belohnen dürft – vielleicht mit eurer Lieblingsserie. Selbst, wenn ihr euch kleine Ziele steckt, sobald ihr regelmäßig daran arbeitet, wird es euch immer leichter fallen, euch „aufzuraffen“. Irgendwann ist das abendliche Schaffen ein wichtiges Ritual eures Alltags geworden und es verschafft euch Vertrautheit und Wohlbefinden, wenn ihr es weiterhin pflegt.

Welche Rituale habt ihr? Habt ihr schon einmal erfolgreich ein Ritual durch ein anderes ersetzt und seid dadurch euren Zielen näher gekommen? Welches Ritual würdet ihr euren Mitmenschen besonders empfehlen? Ich freue mich über eure Kommentare.

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